In der Mediathek in Kamp-Lintfort ist heute die Ausstellung „Meerestiere“ eröffnet worden. Grundlage für die Fotos war der Roman „Meerestiere“ der Autorin Iris Antonia Kogler. Die Autorin benutzt in ihren Romanen eine sehr bildhafte Sprache, vieles kann man sich gut vorstellen und in Bilder umsetzen. Also entstand zwischen der Autorin und der Fotogruppe „Fotokunst Niederrhein“ die Idee, Bilder des Buches in reale Fotos zu wandeln. Einzelne Szenen des Romans wurden also infolgedessen zu Fotos umgesetzt.

Zur Eröffnung der Ausstellung hat Iris Antonia Kogler aus ihrem Buch vorgelesen. In zwei Leseabschnitten hat sie die Protagonisten des Buches vorgestellt und die Handlung erörtert, ohne zu viel zu spoilern. Die Autorin hat ihren Protagonisten unterschiedliche Stimmlagen zugeordnet, sodass der Hörgenuss wirklich maximal war. Sie las amüsante Stellen, aber auch nachdenkliche, sodass die Zuhörer einen guten Einblick in den Roman bekommen konnten.

 

In der Pause gab es natürlich die Gelegenheit, das Buch zu erwerben und von der Autorin signieren zu lassen.

 

Nach der Lesung folgte der Gang in die Fotoausstellung. Die einzelnen Fotos wurden von den Fotografen vorgestellt und erläutert, an jedem Foto war der entsprechende Buchausschnitt angeheftet. Es sind erstaunliche Bilder entstanden, die wirklich die Szenen des Buches nahezu perfekt widerspiegeln.

Die Ausstellung ist für Interessierte noch bis zum 23.10.2021 in der Mediathek Kamp-Lintfort zu besichtigen.

 

Klappentext Meerestiere:
„An einem heißen Sommertag treffen fünf Menschen aus unterschiedlichen Gründen in einem Hotel ein. Jakob ist mit einem Fisch ans Meer unterwegs, Sonja und Richard hatten eine Autopanne, Jen wartet vergeblich auf ihren Liebhaber, und Alfred wurde mit seinem Hund Judy von seiner Tochter vor dem Hotel ausgesetzt. Weil nur einer von ihnen ein Auto zur Verfügung hat, schließen sich diese Menschen zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammen, und gemeinsam fahren sie an die See, verbunden durch den Umstand, dass jeder von ihnen noch eine Sache im Leben zu klären hat.“

Meine Rezension zu Meerestiere: „Begegnungen
Autoreninterview Iris Antonia Kogler

Ein fast perfekter Winter – Bettina Reiter

Emma ist vom Schicksal gebeutelt. Ihre Eltern lieben sie nicht und auch ihre Schwestern haben kein gutes Wort für sie übrig. Sie ist die einzige, die für jedes gute Wort und für jedes Fitzelchen Liebe kämpfen muss. Als sie dann auch noch feststellt, dass ihr Ehemann sie mit ihrer Schwester betrügt, flüchtet sie aus ihrem bisherigen Leben und landet in St. Agnes.

Hier begegnen wir vielen liebgewordenen Dorfbewohnern. Annie ist genauso am Start wie Minnie, Jeremy, Ricardo und die anderen, die untrennbar mit dem beschaulichen Örtchen verbunden ist. Auch Roger, Annies Ex, lebt nach wie vor in St. Agnes. Er hat mittlerweile verstanden, dass ein Leben als Playboy nicht das Wahre ist. Wie der Zufall es will, trifft er auf Emma, die in Doris‘ Pension eine Übernachtungsmöglichkeit gesucht und gefunden hat.

Emma versucht, sich in St. Agnes ein neues Leben aufzubauen. Da die anderen Dorfbewohner sie schnell ins Herz geschlossen haben, gelingt ihr das auch sehr gut. Bis ihr altes Leben sie einholt.

Bettina Reiter ist auch mit diesem zweiten Roman aus dem beschaulichen Dörfchen in Cornwall ein Meisterstück gelungen. Ich habe mit Emma gelitten, habe Tränen geweint ob der Ungerechtigkeiten, die ihr widerfahren sind und hatte beim Lesen ein warmig-wohliges Gefühl, als sie so liebevoll in die Dorfgemeinschaft aufgenommen worden ist. Ich habe Wut auf Rick und Roger gespürt und ich hätte den einen oder die andere gern mal durchgeschüttelt. Zum Glück liegt jedoch über St. Agnes ein ganz besonderer Zauber – und der Zauber der Weihnachtszeit tut dann sein übriges, um dem Leben eine positive Wendung zu geben.

Zwar spielt dieser Roman, ebenso wie der erste, in St. Agnes – aber die Begebenheiten sind doch so verschieden, dass es Spaß gemacht hat, das Buch zu lesen. Jedes Buch lässt sich unabhängig voneinander lesen, da die Geschichten in sich abgeschlossen sind, aber es empfiehlt sich, die Bücher in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen, da einzelne Ereignisse aufeinander aufbauen und manche Hintergründe besser verständlich sind, wenn man das erste Buch kennt.

Von mir gibt es von Herzen gern wieder eine Leseempfehlung und fünf strahlende Sterne. Hat mir der „Sommer“ schon sehr gut gefallen, muss ich sagen, dass der „Winter“ den ersten Roman nochmal getoppt hat.

 

Martha nimmt die Ausfahrt – Maria Hellmann

Martha wird eher zufällig Opfer einer Entführung. Dieser eigentlich eher unglückliche Vorfall bringt Martha zum Nachdenken über ihr bisheriges Leben und sie nutzt die Gelegenheit, um auszubrechen. Als ihr Entführer sie gehen lässt, beschließt sie, nach Antwerpen zu fahren. Einfach so und ohne Grund. Etwas Geld hat sie in der Tasche, es reicht, um ein paar Tage in Antwerpen zu überleben. Im Hotel gehen ihre Überlegungen weiter und sie beschließt, endgültig ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Zum Glück findet sie in der nur halb so alten Colette eine neue Freundin, die ihr über viele Startschwierigkeiten hinweghilft.

Mit einer angenehmen Sprache erzählt Maria Hellmann Marthas Geschichte. Der Leser kann Marthas Reise nach Antwerpen und ihre ersten Tage dort mitverfolgen. Auch die innere Zerissenheit der Frau, die bisher unter dem Pantoffel ihres Mannes stand und nie irgendwas entscheiden musste, ja, sogar nie wirklich etwas entscheiden durfte. Laptop, Handy – all das kennt sie zwar vom Sehen, aber sie lernt jetzt, auch damit umzugehen. Gemeinsam mit Colette schafft sie es sogar, einen Youtube-Blog über ihre Leidenschaft backen zu führen, der nach anfänglichen Startschwierigkeiten durch die Decke geht und sehr erfolgreich wird. So, wie der Blog sein Mauerblümchendasein verliert, so verliert auch Martha diesen Status und entwickelt sich zu einer selbstbewussten Frau, die merkt, was sie kann und was sie noch lernen möchte.

Ich habe mich von diesem Roman gut unterhalten gefühlt, und lege ihn all jenen ans Herz, die auch ihre Träume verwirklichen wollen und den Anstoß dazu brauchen. Manchmal kann es doch so einfach sein…